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Die große Villa der kleinen Kinder

Die große Villa der kleinen Kinder
Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, diente diese prächtige Villa mit architektonischen Anleihen an die Neue Sachlichkeit zunächst als repräsentativer Wohnsitz einer der zahlreichen Fabrikanten-Familien der sächsischen Stadt, die wie kaum eine andere die industrielle Revolution so intensiv und zukunftsprägend vollzogen hat, wie sie. So bekam sie auch den Beinamen "sächsisches Manchester", ähnelte sie seinerzeit mit ihren vielen über das Stadtgebiet verteilten Schornsteinen doch tatsächlich einigermaßen der englischen Industriemetropole, die damals regelrecht eine Schlüsselrolle in der industriellen Revolution einnahm.

Die Zerstörungen im II. Weltkrieg und die Reparations-Demontagen des Rests, der nach den Bombardements noch heil geblieben war, stellten sodann einen Rückschlag dar, von dem sich die Stadt, der man 37 Jahre lang bis 1990 den Namen des berühmten wie umstrittenen Trierer Philosophen, Ökonom und Gesellschaftstheoretikers, Karl Marx, zwangsweise überstülpte, bis heute nicht ganz erholt hat. In der Zeit der deutschen Teilung wurde die stilistisch markante Villa um einen sichtlich schmucklosen Anbau erweitert und damit als "Kinderkombination" - eine der vielen DDR-Wortschöpfungen, die hier für Kinderkrippe und -garten in einem steht - genutzt.

Mit der Wiedervereinigung verlor der einstige mittelsächsische Industriestandort dann recht schnell weiter an wirtschaftlicher Bedeutung und bis zu 25 % seiner Einwohner. Zudem haben ans Kinderkriegen die verbliebenen Chemnitzer/innen in den turbulenten Nachwendejahren nur selten gedacht. Es galt zunächst, mit den über Nacht über sie hereingebrochenen, völlig neuen Verhältnissen zurechtzukommen und auf den Stand aufzuholen, in dem sich die "Wessis" seit langem schon gut eingerichtet haben. So wurde neben vielen anderen auch dieses Nachwuchsparkhaus der Werktätigen obsolet und geschlossen.

Bis heute hat sich keine neue Nutzung für das Gebäude mit seinem ihm nicht würdigen Erweiterungsbau ergeben - zumindest bis jetzt - Ausblick: positiv.


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