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Verlassenes Herrenhaus in Thüringen

Verlassenes Herrenhaus in Thüringen
In diesem seit vielen Jahren schon verlassenen Herrenhaus hat sich der Verfall bereits in alle Winkel und Nischen gefressen. Seine einstige Pracht ist aber immer noch sichtbar und eindrücklich. Aber apropos "Herrenhaus": Gibt es einen über die Geschlechtsspezifika hinausgehenden Unterschied zwischen einem Herrenhaus und einem Frauenhaus und wenn ja warum? Dieser natürlich rein rhetorischen Frage steht eine bereits rund 6 Millionen Jahre währende Entwicklung gegenüber, in der sich die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ausprägen konnte. Nicht immer hatte die einem Geschlecht zugedachte Aufgabe und Rolle freilich rein evolutionäre Ursachen. Anfänglich sicher noch deutlich mehr, aber mit der Zunahme gesellschaftlicher Strukturen hat (in aller Regel) man(n) sich einfach einiges ausgedacht, was Frau nicht können kann und es ihr deswegen von vorneherein am besten gleich verboten. So hat es zum Beispiel bis 1919 gedauert, bis auch Frauen wählen durften. Bis 1958 hatte der Mann, wenn es ihm beliebte, den Anstellungsvertrag seiner Ehefrau nach eigenem Ermessen und ohne deren Zustimmung fristlos kündigen können. Diese, die Rolle der Frau definierenden gesetzlichen Bestimmungen muten heute aus einer längst vergangenen Zeit völlig anderer Verhältnisse an, die mit den heutigen ja überhaupt nichts mehr zu tun haben. Nur ist das auf die gesamte Menschheitsgeschichte bezogen gerade mal einen Wimpernschlag lange her. Heute ist es ein billiges Klischee und wirkt wie aus einem schwarz/weiß-Werbespot der 60er, dass die (Haus-)Frau den Ehemann nach getaner Arbeit freudig zu Hause empfängt und ihm am bereits gedeckten Abendbrottisch sein Feierabendbier serviert. Doch so sehr heute die Gleichberechtigung der Frau völlig zu Recht nicht im Ansatz in Frage zu stellen ist, so sehr kann man mit der Gleichmacherei auch übers Ziel hinausschießen. "Unisex" ist das neue Dogma (und das hat nichts mit einschlägigen Jugenderfahrungen an Hochschulen zu tun). Wenn sich heute ein Ehepaar gemeinsam und ohne jeden gesellschaftlichen oder anderen Zwang dazu entscheidet, dass die Frau zu Hause bleibt und sich um Haushalt und Kinder kümmert, während der Mann beruflich Karriere macht, werden beide heute zunehmend schief angeschaut und mit allerlei neuen (!) Vorurteilen überzogen. So ändern sich die Zeiten und das was sich gehört und was man heute so tut und besser lässt. Udo Jürgens hat dies bezeichnend besungen mit seinem Lied "Wir sind ein ehrenwertes Haus". Interessant dabei: Das Lied aus dem Jahr 1975 handelte von einem Paar in "wilder Ehe", das in dem in dem Lied beschriebenen Wohnhaus allein deshalb nicht geduldet wurde. Heute wäre es vielleicht nicht gleich andersherum, aber fast. Und das alles in gerade mal 38 Jahren. Wo führt das noch hin? Steuern wir auf eine Diktatur der Gleichmacherei zu? Auf jeden Fall bekomme ich zunehmend den Eindruck, dass die inzwischen allgegenwärtige Geschlechter-Gleichberechtigung immer mehr Züge an Ungerechtigkeit bekommt. Nehmen wir nur die Frauenquote in Leitungsgremien von Großunternehmen. Die heutige "Quotenfrau" muss doppelt so viel Leistungsfähigkeit beweisen, wie ihre frühere Kollegin, die ohne Geschlechterobligat, also auf klassischem Wege rein durch (Vor-)Leistung an die entsprechende Position gekommen ist. So ist aus meiner Sicht ein dogmatisches "die Frau gehört an den Herd" genau so verkehrt wie ein ebensolches "Frauen an die Macht". Die Spielräume der persönlichen und individuellen Selbstverwirklichung sollten nicht durch gesetzlichen Gleichbehandlungszwang über das nötige Maß eingeschränkt werden. Denn, ob Mann oder Frau: die Freiheit der eigenverantwortlichen Selbstverwirklichung sollte die Maxime sein.


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