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Altes Altersheim bei Berlin

Jeder Mensch ist anders. Jeder hat andere Wünsche, Sehnsüchte und Lebensziele. In einem Wunsch sind wohl aber alle Menschen gleich: möglichst alt zu werden und dabei doch möglichst jung zu bleiben. Einigen wird diese Segnung zuteil – anderen nicht. Beim einen scheint der Zahn der Zeit auf Granit zu beißen, während andere von Jahr zu Jahr älter werden, bis sie dann eines Tages wirklich alt sind und sich das Repertoire ihrer Gesprächsthemen im wesentlichen reduziert auf das möglichst detaillierte Beschreiben ihrer vielen Krankheiten und Gebrechen und warum früher überhaupt alles um so vieles besser war.

Unser Besuch gilt heute einer ehemaligen Heimstätte für Menschen, die auf der Zielgeraden ihres Lebenswegs die Ziellinie schon sehr nah vor sich sehen, nur dass dort nicht der Streckenposten eine schwarz-weiß karierte Fahne schwenkt, sondern der Sensenmann sein zweckentfremdetes Ackergerät bereithält.

Es ist kein Ruhmesblatt für unsere Gesellschaft, dass es derlei Einrichtungen heute in so großer Zahl gibt. Früher sind die Menschen in der umsorgenden Gemeinschaft großer Familien alt geworden und nicht zuletzt auch dadurch lange jung geblieben. Heute werden die Alten abgeschoben, lästig und unnütz geworden in unserer Leistungs-, Konsum- und Spaßgesellschaft. So vielbemüht wie manche Altersheime ausgestattet werden, mit dem Versuch, eben gerade nicht die Atmosphäre eines solchen aufkommen zu lassen, so sehr ist dieser Versuch doch hilflos, denn man trifft dort ausschließlich auf seinesgleichen - im Wartesaal des Todes. Allgegenwärtiger körperlicher und geistiger Verfall - keine Chance es nicht zu sehen, nicht zu riechen und nicht zu spüren, dass hier die Endstation des Lebens ist – Sackbahnhof – der Zug des Lebens endet hier – alle aussteigen.

In unserer modernen Gesellschaft ist neben Karriere, Lifestyle, Selbstverwirklichung und dem ständigen Drang, möglichst viel mitzunehmen und zu erleben, um nur ja nichts zu verpassen, schon kaum mehr Platz für Kinder, so geschweige denn noch für die familiären Alt-Lasten. Sie werden ausgesondert und fachgerecht entsorgt. Die "Pflegefachkräfte" genannten Müllmänner des Generationenabfalls sorgen für eine moderne umweltgerechte Beseitigung.

Was bin ich doch froh, dass ich auf meinem Lebensweg noch gut im Rennen und nicht schon auf die Zielgerade eingeschwenkt bin.

Trotzdem es in unserer Gesellschaft immer mehr Alte gibt, hat man diese weitläufige Alten-Entsorgungs-Institution irgendwann aufgegeben. Die Gründe kennen wir nicht, haben uns aber auch offen gestanden nicht darum bemüht, es herauszufinden.

Vor uns tut sich ein riesiges Gelände mit vielen unterschiedlichen Gebäuden auf – fast eine kleine Stadt. Wir gehen, einen alten festgerosteten Schlagbaum hinter uns lassend, den breiten Hauptweg entlang. Aus den sicher einmal hübsch angelegten Grünanlagen sprießt heute ein Dickicht aus mannshohem Unkraut. Die alten Gehweg-Platten schlagen hohe Wellen. Die Geräuschkulisse entbehrt jedwedem menschgemachten Ursprung - nur von dem sich in den Bäumen verfangenden Wind untermaltes Vogelgezwitscher. Herrlich.

Zuerst haben wir schon befürchtet, kaum ein lohnendes Fotomotiv in dieser Einöde zu finden. Nur schmucklose, um nicht zu sagen hässliche Zweckbauten. Senioren-Intensivhaltung. Aber plötzlich stehen wir vor einem auffallend großen Gebäude, das sich doch deutlich von den kasernenartigen Unterkunftsbauten abhebt. Ein riesiger Theatersaal. Gespannt treten wir ein. Jeder Zweifel, eine schöne Fotoserie mitnehmen zu können, ist sofort verflogen. Als wir nähertreten, fallen uns sofort die riesigen Kronleuchter auf, die inzwischen von der Decke gefallen sind. Sie liegen auf dem alten Fischgrätenparkett wie riesige Spinnen, die auf ihrer Beute lauern. Wir bringen also umgehend die Kamera in Stellung und fangen an, diese tolle Atmosphäre in uns und auf den Sensor unserer Kamera aufzunehmen. Mit Freude entdecken wir sodann auch die ebenso interessanten und fotogenen Nebenräume des ausladenden Gebäudes. Nach einem längeren Aufenthalt ziehen wir weiter. Vorbei geht es an einem halb zerfallenen Heizhaus, einem riesigen Garagenkomplex und allerlei weiterer schmuckloser Betonbauten. Dann gelangen wir an das offensichtliche Haupthaus, in dem wohl auch die Verwaltung untergebracht war. Die wenigen uns lohnenswert erscheinenden Perspektiven nehmen wir fotografisch mit, ebenso wie das kleine Schwimmbad im Keller. Tristesse wohin man blickt.

Wir grübeln immer noch etwas darüber, warum dieses landschaftlich eigentlich sehr schön gelegene Altersheim für immer geschlossen wurde. Vielleicht haben sich einfach doch nicht genug Alte gefunden, die bereit waren, in diesen postsozialistischen Pferchen auf des letzten Tages Abend zu warten.

Tja, wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages ja mal den Aufstand der Alten. Bekommen Sie doch einen immer größeren Anteil an der Bevölkerung. Das sind nicht zuletzt auch Wählerstimmen. Die Politik wird zunehmend darauf vom eigenen Selbsterhalt getrieben Rücksicht nehmen. Dann heißt es nicht mehr wie von Herbert Grönemeyer besungen "Kinder an die Macht" sondern "Die Alten an die Macht". Also sollten wir uns vielleicht doch gut mit ihnen stellen – verdient hätten sie’s so und so. Ist es doch eine Generation, ohne die es die unsrige gar nicht gäbe.


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