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Die gestorbene Stadt auf Kreta

Die Straßen werden enger und kurviger, es wird steil und vor allem einsam. Die Vegetation wird dichter und wilder. Nach einer längeren Fahrt, ohne mehr einer Menschenseele begegnet zu sein, treffen wir endlich auf die kleine Stadt am Fuße der Berge im Süden der Insel, wohin sich nur wenige Touristen je verirren. Das Ortseingangsschild ist ausgeblichen und verwittert. Es ist ruhig – zu ruhig. Die extrem präsente Stille fällt ungeheuer auf. Sie ist absolut untypisch für eine Kleinstadt dieser Größe. Wo ist das urbane Grundrauschen, das einem so vertraut ist. Es ist gelöscht! Wir parken den Wagen gleich am Ortseingang und gehen zu Fuß die menschenleere Hauptstraße entlang. Zögerlich blicken wir in die zahlreichen Straßen, die links und rechts abzweigen. Auch hier regt sich nichts. Wir biegen in eine der Straßen ab, die eher in der Stadtmitte liegen. Verwinkelte Gässchen verzweigen sich weiter. Ihnen entlang sehr alte aber gut erhaltene Häuschen. Alles sollte eigentlich sehr einladend wirken, so wie in den schönen Altstädten, die man entlang der Küsten ansonsten erreicht und die an jeder zweiten Ecke ein Ansichtskarten-Motiv zeigen. Doch hier will sich dieses "ach-wie-schön-Gefühl" ganz und gar nicht einstellen. Im Gegenteil. Je plastischer die Szenerie wird, desto mehr schaudert uns. Die meisten Haustüren sind unverschlossen. Eine, die halb offen steht, nehmen wir zum Anlass einzutreten. Auf den ersten Blick denken wir uns: "oh, nur schnell wieder raus. Hier wohnt ja doch noch jemand". Auf den zweiten Blick stellen wir allerdings fest, dass dem offensichtlich doch nicht so ist. Die vorgefundenen Artefakte, die sich uns zunächst als eben abgestellt oder -gelegt präsentieren, liegen hier schon seit einer mindestens halben Ewigkeit so herum. Die Menschen in dieser Stadt sind nicht ausgezogen, sie sind offensichtlich einfach gegangen. Letzteres vielleicht auch nicht immer im wortwörtlichen Sinne. Wir gehen weiter, treten vorsichtig in weitere ehemalige Heimstätten der Bewohner dieser Stadt. Überall das gleiche Bild. Wir finden die Einkaufsstraße. Alle Geschäfte leer, verstaubte Regale und zum Teil geborstene Fenster. Wir erreichen den Kirchplatz, auf dem sich auch die ehemalige Schule befindet. Schulbücher und -hefte liegen herum – Datierung Jahrzehnte zurückliegend. Ein zerbrochener Rechenschieber liegt in der Ecke. Unglaublich: In einem Nebenraum brummt ein Stromgenerator. Daneben ein ebenfalls leise Geräusche von sich gebendes Kästchen mit einem Telefon darauf - Freizeichen. Wir treten den Rückweg an. Es geht durch weitere verlassene Straßenzüge, die unsere inzwischen melancholische, von leichtem Gruselschauer durchtränkte Stimmung nur noch weiter ausprägen. Den Wagen wieder erreicht, schauen wir nochmal zurück. Die Stadt scheint uns ebenfalls anzuschauen, allerdings wie aus Augen eines Toten – deren Höhlen die dunklen seelenlosen Fensterrahmen der verlassenen Häuser sind. Die intensiven Eindrücke gar nicht unbedingt gleich loswerden wollend fragen wir uns auf der Rückfahrt, was hier wohl passiert ist. Über Jahrhunderte waren sich die Menschen hier sicher selbst genug. Sie kannten sich über Generationen, lebten in Großfamilien zusammen, halfen sich gegenseitig und konnten weitgehend autark von der sie umgebenden Natur leben. Aber in unserer modernen Welt geht wohl selbst an einem solch abgelegenen Städtchen der Reiz der materiellen Bequemlichkeit unserer Konsumgesellschaft nicht vorbei. Vor allem die junge Generation wird es hier in die Ferne gezogen haben. Zurück blieben die Alten. Die Stadt starb buchstäblich aus. Schließlich bleibt die Frage, was aus unserer Zeit mal bleibt, deren Zeugnisse zunehmend nur noch virtuell sind. Was wird einst ein (Be-)Sucher in unserer Vergangenheit finden? Wird es dann verlassene Webseiten oder verwaiste Facebook-Profile geben, in denen man stöbert? Vielleicht gibt es einmal tatsächlich binäre Artefakte, die von unserer Epoche zeugen. Schön wär’s. Sonst hinterließen wir eine Lücke in der Geschichtsschreibung. Aber auch eine Lücke kann Geschichte sein.


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