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Ehemalige Papierfabrik

"Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen …". Das sind wohl die am häufigsten verwendeten Worte zu Beginn eines Schreibens, dessen Inhalt für den Empfänger allermeist einen Schicksalsschlag aber immer ein einschneidendes Lebensereignis darstellt. So war es eines Tages auch bei den Arbeitern in dieser ehemaligen Papierfabrik - sie wurden nicht mehr gebraucht und bekamen die Kündigung. Seit dem steht das alte Fabrikgebäude leer und verfällt. Damit befindet es sich in großer Gesellschaft. Besonders der Osten der Republik ist übersät mit Industrieruinen und -brachen. Hundertausende Arbeitsplätze gingen verloren. Unzählige Schicksalsschläge brachen so über die zum Teil Jahrzehnte in den Betrieben tätig gewesenen Menschen und ihre Familien herein. Nicht wenige wurden davon hart getroffen. Besonders in ländlichen - in der Wirtschaftssprache "strukturschwachen" - Gegenden hat ein Fabrikarbeiter mit Anfang 50 denkbar geringe Chancen, noch mal einen Job zu bekommen, geschweige denn auch noch in seinem bisherigen Beruf.

Hinter den anonymen und für die Fernsehbildschirme, Magazin- und Zeitungsseiten in schicke Grafiken gekleideten Arbeitslosen-Statistiken stecken nicht nur Zahlen sondern tausende von Menschen - jeder mit seinem persönlichen Schicksal! Sie stehen nun am äußersten Rand unserer Gesellschaft und je länger sie zur Erwerbslosigkeit verdammt sind, sie sich in die erst im Jahr 2006 durch die Friedrich-Ebert-Stiftung definierte neue Gesellschaftsschicht des Prekariats ein- oder besser unterordnen müssen.

Konkret bezogen auf die in die "Neuen Bundesländer" transformierte DDR könnte man es sich leicht machen und die Gründe dafür in der immer noch nicht aufgearbeiteten 40-jährigen sozialistischen Misswirtschaft finden wollen. Das Problem liegt aber tiefer - viel tiefer! Es ist so grundsätzlich, dass es zunehmend die Grundfesten unseres Gesellschaftssystems erodieren lässt.

In unserem Zeitalter eines dermaßen rasanten technischen Fortschritts hat die Arbeitsproduktivität eines Menschen derart zugenommen, dass wir immer und immer noch weniger Menschen brauchen, um den Bedarf an Produkten und Dienstleistungen zu decken. Es kann zukünftig nicht mehr funktionieren, dass der überwiegende Großteil der Menschen nur dann was zu essen und ein Dach über dem Kopf hat und vielleicht noch etwas mehr, wenn er sich's mit Arbeit verdient, denn es wird in naher Zukunft noch deutlich weniger Arbeit gebraucht, die vom Menschen verrichtet wird. Das erledigen zukünftig immer noch mehr die Maschinen. Nehmen wir einen der ältesten Berufe, den Landwirt: er erzeugte um 1900 Nahrungsmittel in einem Umfang der reichte, etwa 4 Personen ernähren zu können. 1950 ernährte er 10 und heute über 130 Personen! Anders ausgedrückt sind in den letzten 100 Jahren auf 130 zu versorgende Personen bezogen über 30 Landwirte überflüssig geworden. Es werden zukünftig ganze Berufszweige aussterben, weil deren Tätigkeitsfeld Maschinen komplett übernehmen können und damit auch übernehmen werden. Vor einiger Zeit bin ich in Nürnberg U-Bahn gefahren – alles ohne Fahrer. Kam mir (noch) etwas komisch vor – noch! Ein Beispiel von vielen, die man hierzu anführen könnte. Ganz zu schweigen von den Berufen, die bereits seit langem ausgestorben sind, oder kennen Sie noch jemanden, der Köhler, Küfner, Türmer, Scherenschleifer, Schriftsetzer, Fotolaborant, Heizer, Regenschirmmacher, Filmvorführer, Büromaschinentechniker oder Straßenbahnschaffner ist?

Es wird in naher Zukunft nur noch einer Hand voll Menschen bedürfen, um die Maschinen zu entwickeln, programmieren und überwachen, die alle Produkte und Dienstleistungen herstellen, die wir brauchen und/oder haben wollen. Was ist mit dem großen Rest - der Mehrheit der Menschen, die keine Arbeit mehr finden, weil es keine mehr für sie gibt?

Arbeit im heutigen Sinne kann also in Zukunft nicht mehr die Voraussetzung sein, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Nur was kann und muss die Alternative sein? Wie sieht die Gesellschaft der Zukunft aus, in der vielleicht auch nicht jeder aber doch die meisten genug von dem bekommen, was sie zum Leben brauchen und haben möchten, ohne dafür gearbeitet zu haben, so wie wir heute Arbeit (noch!) verstehen? Soll es überhaupt noch einen Unterschied geben zwischen den wenigen die noch in unserem tradierten Verständnis arbeiten und den anderen und wenn ja, wie soll der aussehen? Und ja, ist unser jetziges intermediäres Tauschmittel, das wir Geld nennen, dann überhaupt noch das richtige Instrument, um die Verteilung von Waren und Dienstleistungen wenigstens halbwegs gerecht zu regeln?

Wenn Sie jetzt auf diese wichtigen Fragen der Zukunft auch nur eine Antwort erwarten, muss ich Sie enttäuschen. Vielleicht ist es meinem beschränkten intellektuellen Abstraktionsvermögen geschuldet, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie sich die Gesellschaft der Zukunft diesen Herausforderungen stellen und sie meistern kann. Das macht mir zugegeben auch etwas sorgen, da ich bis jetzt auch noch von keinem Politiker, Gesellschaftswissenschaftler oder anderem mutmaßlich gescheiten Menschen gehört oder gelesen habe, wie eine Lösung aussehen kann.

Eines steht nur für mich fest: mit unseren bisherigen Mitteln und Methoden geht's nicht weiter. Wir rasen mit Vollgas in die Sackgasse. Wir müssen dringend vorher abbiegen und die dazu notwendige Umgehungsstraße schleunigst anfangen zu bauen.

Ende


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