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Verlassene Fabrik für Musikinstrumente

Mitschneiden statt Vorglühen. Freitagabend, 19:00 Uhr, die Finger liegen auf zwei Tasten des sorgsam vorbereiteten Aufnahmegeräts. Die Worte des Radio-Moderators runterzählend wie den Countdown eines Raketenstarts saß man da, um ja nicht zu spät abzudrücken. Es galt, die neuesten Hits auf Kassette aufzunehmen. Thomas Brennicke moderierte viele Jahre die Kultsendung auf Bayern 3, "Die Schlager der Woche", wobei er eine Unaufgeregtheit ausstrahle, als ob er nur den Wetterbericht verlesen würde. Was ihm viele allerdings wohl auf ewig danken werden ist, dass er stets penibel darauf achtete, auf keinen Fall in die Titel "reinzuquatschen", weil er ganz genau wusste, dass da draußen Millionen am Radio saßen, die die neuesten Chart-Platzierungen vom ersten bis zum letzten Takt mitschneiden wollten – man könnte durchaus auch sagen , da es außer dem relativ teuren Erwerb der entsprechenden gerillten Vinylscheibe für den heimischen Plattenspieler damals keine Alternative gab. Und für den Kauf der neuesten Single musste man sich in Plattenläden anstellen, die Öffnungszeiten hatten, die kürzer waren als heute die von manchen Ämtern. Das meist zu knapp bemessene Kontingent der begehrten Neuerscheinungen setzte einen zudem noch dem Risiko aus, am Ende leer auszugehen, weil die Scheibe ausverkauft war.

Heute klingt das, als wäre es Urzeiten her, als müsste man davon erzählend erst ein "Es war einmal vor langer Zeit ..." voranstellen. Gemessen an unserer schnelllebigen Zeit mit ihrem noch viel schnelleren technischen Fortschritt, mag das vielleicht auch zutreffen. Dennoch sprechen wir von den späten 70er bis 80er Jahre. Kulturhistorisch gestern. In der Zeit, die wir also heute schon lange nennen, obwohl uns von ihr gerade mal eine Generation trennt, wurde die meiste Musik überwiegend von Hand gemacht. Bands wie die aus Düsseldorf stammende mit dem passenden Namen "Kraftwerk" (Weltbekannt geworden mit 'Das Model', 'Autobahn' oder 'Wir sind die Roboter'), waren damals einsame Pioniere mit ihrer ausschließlich elektronisch erzeugten Musik. Der von ihnen dafür betriebene Aufwand war wohl seinerzeit sogar noch um einiges größer, als einfach zu Musikinstrumenten zu greifen, da die ihnen damals zur Verfügung gestandene Technik ein Leistungsvermögen hatte, das heute mehrfach von einem durchschnittlichen Smartphone übertroffen wird. Auch der Aufwand Musik für die Vervielfältigung auf Tonträger zu produzieren war zur damaligen Zeit ein viel größerer. Studionaufnahmen dieser Zeit verlangten den Musikern auch noch viel mehr Können ab. Man musste ein Musikstück komplett durchsingen und -spielen können. Die Technik erschöpfte sich im Wesentlichen in einem Mischpult, das an eine Mehrspur-Bandmaschine angeschlossen war. Soundeffekte und Computerprogramme, die stimmliches Unvermögen kompensieren halfen gab es nicht.

Heute gibt es schon lange Computer bzw. Software, die ein Musikinstrument täuschend echt nachahmen – fast unmöglich, den Unterschied noch herauszuhören. Die originäre Tonquelle, also das jeweilige ursprüngliche Musikinstrument ist obsolet geworden und damit wohl auch diese Fabrik für deren Herstellung. Der Gebrauch herkömmlicher Musikinstrumente findet nur noch in der Nische der Liebhaberei statt oder wenn eine Band auf der Bühne steht und es für die Show nötig ist, beispielweise mit einer Gitarre gestenreich herumzuhantieren. Es sähe ja auch denkbar komisch aus, wenn ein Bandleader am Bühnenrand einen Laptop rumschwingen würde.

Und so wie heute der Computer im musikalischen Mainstream in der Mehrzahl der Fälle das klassische Musikinstrument abgelöst hat, so hat er auch die alten Tonträger ersetzt. Schallplatten werden heute bestenfalls noch gebraucht auf Flohmärkten, von auf Vinyl schwörenden DJs und von High-End-Enthusiasten in der klassischen Musik gekauft. Der Tonträger von heute ist der Massenspeicher des heimischen PC oder Notebook und immer häufiger der des eigenen Smartphones. Musik ist heute fast ausschließlich binär und damit in einer Beliebigkeit verfügbar, wie man es noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Selbst die CD gehört heute schon längst zum alten Eisen. Deren Absatz als Tonträger befindet sich im freien Fall.

Dieser sich in einem atemberaubenden Tempo vollziehende Fortschritt hat allerdings für die Musiker einen erstaunlichen deutlichen Rückschritt mit sich gebracht und zwar den Schritt zurück auf die Bühne. Wer heute von seiner Musik leben will, kommt kaum noch umhin, Konzerte zu geben, da dies die einzig verbliebene wirkliche Einnahmequelle ist. Von den paar Cent, die man heute noch über den Download eines Musikstücks verdienen kann, kann keiner mehr alleine leben. Diese Zeit ist schon lange vorbei.

Diese Entwicklung ruft auch einige auf den Plan, die prophezeien, dass es alsbald keine neue Musik mehr geben wird, da es sich für keinen Komponisten mehr lohnt, Musik zu schreiben und es sich ebenso für keinen Musiker mehr lohnt die Kompositionen zu spielen.

Ich will da nicht so schwarzsehen. Denn Musik machen gehört nicht zu den ersten Disziplinen, denen man sich widmet, um vordergründig schnell viel Geld zu verdienen. Die allermeiste Musik entsteht aus der Leidenschaft dazu gepaart mit dem nötigen Talent. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern.


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