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Verlassenes Hotel in Schwerin

Ist < schön > einfach nur das Gegenteil von < hässlich >? Vielleicht. Doch was gilt als schön und was als hässlich? Gibt es hierzu überhaupt allgemeingültige Maßstäbe oder liegt das ausschließlich im Auge des einzelnen Betrachters? Nahezu alle großen Philosophen haben sich schon an einer Definition versucht. Ihre Ergebnisse sind so vielfältig wie unterschiedlich, sodass man sich fast beliebig die Version aussuchen kann, die den eigenen Vorstellungen am nächsten kommt, für die man dann eine vorzeigbare Referenz hat. Auch die Wissenschaft hat schon verschiedenste Definitionsversuche unternommen. So will man beispielsweise herausgefunden haben, dass ein menschliches Gesicht allgemein als schön gilt, wenn es den sogenannten "goldenen Schnitt" aufweist. So sei ein vertikaler Abstand zwischen Augen und Mund von 36 % der Gesichtslänge und ein horizontaler Abstand zwischen den Augen von 46 % der Gesichtsbreite ideal oder eben schön. Auch soll Symmetrie an sich immer als schön empfunden werden. Persönlich neige ich eher dazu, dass Schönheit primär etwas subjektives ist. Und da wir als Menschen alle Subjekte und als solche wiederum Produkte unserer Umwelt sind, prägen die verschiedensten Umweltfaktoren unser ästhetisches Empfinden, aus dem heraus wir für uns definieren, was schön und was hässlich ist. Die Definition von < schön > ist wohl im allgemeingültigen Sinne so müßig wie die Diskussion darüber aber doch reizvoll ist.

Schönheit muss man sich auch erst mal leisten können. Damit meine ich in erster Linie gar nicht all das, womit man sein Äußeres heutzutage aufpolieren und modellieren kann – angefangen von der unübersehbaren Vielfalt an Kosmetika bis hin zu den heute fast grenzenlosen Möglichkeiten der plastisch-kosmetischen Chirurgie. Nur wenn man keine Sorge haben braucht, seine basalen Grundbedürfnisse täglich befriedigen zu können, kann man es sich leisten, sich der Schönheit und der Frage, was sie ausmacht, hinzugeben. Wir alle leben glücklicherweise in einem Breitengrad, in dem schon lange keiner mehr darum bangen muss, satt zu werden oder ein Dach über dem Kopf zu haben. So hat die Ästhetik genug Raum, sich in unserem Bewusstsein zu entfalten und Relevanz zu bekommen. Es geht in unserer Gesellschaft in den allermeisten Fällen nicht darum, überhaupt etwas zu bekommen, sondern darum, von dem vielen, das wir bekommen können das zu auswählen, das uns am besten gefällt, was in unseren Augen am schönsten ist. So ist heute Schönheit auch ein Erfolgsfaktor. Bei diesem verlassenen Hotel haben wohl schon vor vielen Jahren zu viele entschieden, hier nicht Gast sein zu wollen, weil es hier nicht schön oder zumindest schön genug ist – nicht so schön wie in den anderen Hotels in der Gegend. Je größer die Auswahl desto mehr wird das Schönere Feind das Schönen. Im Wettlauf der Schönheit gibt es kein Pardon. Nur wenn jemand oder etwas für die Mehrheit schön ist, kommt sie, er oder es zum Zuge. Der Geschmack der Massen ist der Erfolgsparameter. Dieses Hotel ist offensichtlich aus dem Massengeschmack gefallen. Keine weitläufige Pool-Anlage mit Liegewiese, keine Poolbar, kein Wellnessbereich, keine Zimmer mit Klimaanlage und Balkon. Keine nur wenige Schritte vom Eingang entfernte Parkplätze.

Ist also all das, das dem Massengeschmack entspricht objektiv und allgemeingültig schön? Mitnichten! Die besonderen Ausnahmen bewahren die Vielfalt. Mit ihnen ist vielleicht nicht das große Geld zu verdienen, gleichwohl besitzen sie ihren besonderen eigenen Wert, der sich nicht in Euro und Cent ausdrücken lässt. Es sind die im doppelten Sinne asymmetrischen Dinge, die der massentauglichen Schönheitsnorm nicht nur wiedersprechen, sondern sie wichtiger Weise auch reflektieren. Viel finden die Schrankwand Modell „Schwarzwald“ in Eiche-rustikal schön und erfreuen sich täglich an ihrem Anblick. Andere bauen sich aus alten Glasbausteinen und Teilen aus Industriepaletten ein Regal und finden das schön. Mit ersterem verdient die Möbelindustrie Millionen, letzteres reduziert in marginalem Umfang den anfallenden Bauschutt. Ließe man beide über ihr Mobiliar diskutieren, wäre die denkbar müßig aber vielleicht interessant zu hören, wie jeweils der eigene Geschmack verteidigt wird.

So ist es vielleicht auch mit diesem vom Verfall schon sehr gekennzeichneten ehemaligen Luxus-Hotel. Für die einen ist es eine abrisswürdige Ruine – ein Schandfleck, der die Gegend nur verschandelt. Für mich ist es nachgerade deswegen schön. Jedweden Interieurs entledigt, zeigt sich die so entblößte Architektur in unverstellter Klarheit. Der Verfall zeichnet überall sein Bild – schafft seine eigenen Skulpturen – konstruiert und modelliert die Schönheit des Verfalls. Die sakral anmutende Stille lässt das alte Gemäuer zu Wort kommen. Eine sanfte Sinfonie des leisen Niedergangs in d-Moll. Nicht erst einmal bin ich schon ins Gespräch gekommen mit Menschen, die mit meinen Arbeiten bzw. mit den darin gezeigten Motiven schon so gar nichts anfangen können, die achselzuckend vor meinen Bildern stehen oder den Kopf schütteln, wie einer nur Ruinen und Dreck fotografieren kann. Die sich entspinnende Diskussion könne man in ihrem Konsensgehalt vergleichen mit der zwischen einem Veganer und einem Metzger. Gleichwohl lasse ich mich gern auf diese Gespräche ein. Nicht weil ich gern versuche mit missionarischem Eifer neue Interessenten für meine Bilder zu gewinnen, sondern weil es interessant ist zu erfahren, warum sie meine Bilder so gar nicht schön finden, woran sie das festmachen, aus welchen Empfindungen sie das, was ihre Netzhaut belichtet, ästhetisch abstößt. Die aus solchen Gesprächen gewonnenen, meist neuen Reflektionen finde ich immer wieder bereichernd.


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