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Verlassenes Schloss in Sachsen-Anhalt

Today's my day again! Die Voraussicht auf schöne Fotomotive und intensive Eindrücke lässt mich die lauschige Horizontale an diesem Sonntag nicht zu früh aber doch rechtzeitig verlassen. Der Sommer scheint inzwischen seinen Zenit überschritten zu haben. Er hängt behäbig in der Luft, wie überreife Reben an ihren Stöcken. Die Vorboten der Blüten Vergänglichkeit kündigen sich ahnend an. Wie passend zum heutigen Vorhaben, denke ich bei mir und packe Kamera und das allfällige Beiwerk zusammen. Dann geht geht’s los. Kürzester Weg auf die Autobahn. Sie liegt vor mir und zeichnet eine sich mit dem Horizont vereinigende Schneise durch die Landschaft, auf der wohl angeordnet einige Autos gleichmütig dahinrollen. Ein bisschen wie auf dem Plattencover des legendären Albums "Autobahn" aus dem Jahre 1974 der vier Düsseldorfer Pioniere der elektronischen Musik, genannt "Kraftwerk". "Wir fahren, fahren, fahren auf der Autobahn …." – passender Ohrwurm gesetzt (https://www.youtube.com/watch?v=e11h73WhqK4). Nach kurzer und wirklich mal Fahrvergnügen bereitender Fahrt, ob des meist möglichen Bodenblech-Kontakts des Gaspedals, geht es schon wieder runter von der Piste. Die Ausfahrt führt direkt auf eine ruhige Landstraße, die auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Der Weg führt mich über kleine Dörfer und Weiler – es riecht nach Milch und Mist. Dicke Dorfkatzen streifen lustlos über das ausgefranzte Bankett. Dorf-Sonntag. Entschleunigung ganz ohne die neuen Weisheiten für die Erträglichkeit des Lebens in unserer modernen Leistungs-Multitasking-Stress-Gesellschaft – unmittelbar und reaktionär, einfach so zum "mitmachen". Dann erreiche ich den kleinen Ort mit seinem riesigen Schloss. Die Disproportionalität ist augenfällig. Das Schloss thront auf einer leichten Anhöhe über dem Ort, wie eine wuchtige Statue auf einem zu kleinen Sockel. Der Ort war damals keinesfalls größer als heute – eher im Gegenteil – und damals musste das Schloss im Kontrast zu seiner unmittelbaren Umgebung noch mächtiger gewirkt haben als heute. Manche Grundprinzipien bleiben und überdauern die Zeit. Damals waren es die Schlösser und Burgen, die mit der klaren Absicht so groß und ausladend gebaut wurde, die Macht ihrer Residenten zu demonstrieren und im wahrsten Wortsinne in Stein zu hauen. Keinen anderen Grund hat es, dass Eingangsportale, Repräsentationsräume und die zu ihnen führenden Türen ein Zigfaches so hoch waren, wie die, die sie durchschreiten sollten. Ähnlich verhält es sich heute zum Beispiel mit den durch unsere Großbanken errichteten Wolkenkratzern in "Mainhatten", wie Frankfurt am Main heute auch etwas spöttisch genannt wird. Die Argumente, dass zu wenig Platz ist und deswegen in die Höhe gebaut werden musste oder weil der Baugrund so teuer sei, sind doch all zu durchsichtig. Selbst im Kleinen sind die Parallelen unübersehbar: Früher saß der Monarch auf einem Thron, also einem kunstvoll verzierten Stuhl mit sehr hoher Lehne und bespannt mit edelstem Tuch, der nicht selten auch noch auf einem breiten Podest stand. Besuchen Sie heute mal den Vorstandsvorsitzenden eines großen Konzerns. Das an sich gleiche Bild: Stuhl mit hoher Lehne, gefasst in poliertem Edelstahl, bespannt mit feinstem Leder und platziert hinter einem Schreibtisch, der so groß ist, dass die Arme des Magnaten kaum reichen, bis ans andere Ende der Tischkante zu gelangen. Der Zweck: Macht-Demonstration – damals wie heute. Mich über diese archaische Erkenntnis bildhaft fast amüsierend, trete ich dem alten postaristokratischen Bau- und Machtwerk näher. Zunächst macht sich etwas Enttäuschung breit. Sieht die zuerst erreichte, zum Schloss gehörende Kapelle doch so aus, als wäre es nicht aufgegeben und verlassen, sondern in Gebrauch als Vollzugsaußenstelle für Eheschließungen oder so eine Art Standesamt-Filiale (der entsprechende Amtsbegriff ist mir gerade nicht präsent). Doch die Erfahrung lehrt: Nicht gleich aufgeben man soll. So gehe ich weiter um das Schloss an seinen Mauern und Einfriedungen entlang. Nach einer Weile und zunehmender Unwegsamkeit, etwas zurückversetzt und schon stark zugewachsen entdecke ich ein kleines schmiedeeisernes Tor. Offen! Das Tor gibt den Weg frei zu einer Treppe hinauf auf einen terrassenartigen Vorhof, der übersäht ist mit seit mehreren Herbsten schon dort liegendem Laub, das schon zu fermentieren beginnt. Aus den Ritzen der teilweise schon abgesackten Steinplatten quillt dickes Moos. Na bitte, denke ich bei mir, dran bleiben lohnt sich eben. Eine große schwere und schon sehr verwitterte Holztür, die direkt ins Innere des Schlosses zu führen scheint, bekommt nun meine ganze Aufmerksamkeit. Jedoch mit großen erfahrungsgetragenen Zweifeln an ihrer Dienlichkeit, über sie letztlich in das Schloss zu gelangen, gehe ich dennoch auf sie zu. Denn jede Regel hat ja ihre sie bestätigende Ausnahme. Ich drücke also die schwergängige raue Türklinke nach unten. Schon fast wieder im Weggehen ziehe ich nur kurz abprüfend daran, eben fest erwartend, dass eine solche Tür verschlossen sein muss. Dann tritt die seltene Ausnahme tatsächlich ein! Sie gibt zu meiner großen Überraschung nach. Offen! Voila! Montez! Von Freude über den jedoch fast unheimlich leichten Zugang getragen und von großer Neugier getrieben, trete ich ein. Das Eingangsportal mündet direkt in einen langen breiten aber schummrig-dunklen Gang, dessen einzige weitere Lichtquelle ein paar kleine Fenster an seinem langen Ende sind. Links und rechts große Flügeltüren, die in noch größere Räume führen. In der Mitte des Gangs führt eine dieser Türen in einen riesigen Saal. Dessen große geschwungene Fenster sind mit schwarzen Tüchern verhangen, durch die kaum Licht dringt. Ein offener Kamin, eine opulente zierreiche Eichenholzvertäfelung und darüber sind die Wände voller übergroßer Wandgemälde, die bereits so stark nachgedunkelt sind, dass die gezeichneten Figuren und Gesichter nur noch schemenhaft zu erkennen sind. Plötzlich durchfährt die fast drückende Stille dieser unheimlichen Szenerie ein lautes Rumpeln, das sich in einem lauten Knall entlädt. Ein Gewitter ist aufgezogen. Regentropfen prasseln so heftig auf das Dach, als würden mehrere Maschinengewähre gleichzeitig feuern. Blitze erhellen für Sekundenbruchteile die Räume. Mit der Flüchtigkeit eines Wimpernschlages kommt kurz alles aus seinem dunklen Versteck. Mit jedem Blitzschlag ist es, als würde an dem leblosen Gemäuer ein Defibrillator angelegt und aktiviert werden, nur um nach dem Stromimpuls den "Patienten" wieder in seiner Leblosigkeit versinken zu lassen. Ich sehe mich weiter um. Kleinere Gänge, verzweigte Treppenhäuser führen in immer weitere Räume. Ich frage mich, welchen Zweck der einstige Bauherr dem Labyrinth, in dem man sich hier verlieren kann, zugedacht hat. Es hat aufgehört zu regnen. Das Donnergrollen entfernt sich hörbar. Ich beschließe dies als Zeichen für den Aufbruch zu deuten und mache mich auf den Weg in Richtung Ausgang. Was für ein schönes Schloss. Möge sein Dornröschenschlaf noch lange anhalten - unentdeckt von den Vandalen, deren Spuren doch mit zunehmender Fortdauer des Leerstandes eines Gebäudes immer verheerender sind. Der ein- oder anderen Location tut ja optisch ein bisschen Haue gut, dieser möge sie erspart bleiben. In diesem Sinne wünsche ich dem Schloss noch viele friedliche Sonntage mit ebensolchen Besuchern.


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