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Was hat eine halb zerfallene Kirche mit Weihnachten zu tun?

Zunächst könnte man es sachlich-materiell sehen: Was passt besser zur Weihnachtsgeschichte als eine zerfallene Kirche? War doch der Stall in Betlehem und die in der Not zur Bettung des kleinen Jesus benutzte Futterkrippe auch fern von jedweder sakralen Pracht. Vielleicht wäre eine Christmette in dieser Kirche gerade schon deshalb etwas "echter" als in den meist prachtvoll bis opulent verzierten Kirchen, die man gerade am Weihnachtsabend oder überhaupt nur an diesem aufsucht. Diese Kirche unterscheidet sich heute kaum von den Stätten, in denen die zum Strandgut unserer Wohlstandsgesellschaft Gewordenen, von uns unbemerkt und/oder ignoriert, einsam Zuflucht suchen, aber eigentlich keine finden. Schon der Duden erklärt uns, was Zuflucht eigentlich bedeutet: "Ort oder jemand, den man in der Not aufsucht, um Schutz, Hilfe und Sicherheit zu bekommen". Nichts davon wird dem abgesonderten Bodensatz unserer Leistungsgesellschaft zu Teil. Frierend, meist Krank, den Hunger betäubend und die Alkoholsucht mit billigem Fusel stillend kauern sie in der Ecke, von dem Schmutz kaum unterscheidbar, in dem sie liegen. Wenn Weihnachten mehr sein soll, als eine wohlig gemütsrührige und gefühlsduselige Veranstaltung zum Jahresende, dann muss in unseren Herzen Platz sein für die, die es nicht geschafft haben, die im Abseits stehen und aus eigener Kraft da nicht mehr herauskommen.

Auch wenn es sich nicht gut anfühlt, wenn es so gar nicht zur gemütlichen Weihnachtsbaum-, Lichtlein-, Zimtduft-, Jingle Bells- und "oooch wie schööön"-Stimmung passen will, legen Sie zum Beispiel mal folgenden Film im Kopfkino ein (Sie können ihn ja dann gleich wieder rausnehmen):

Sie sind beruflich erfolgreich, haben Karriere gemacht, sind Mitte/Ende 40 und stehen im besten Sinne mitten im Leben. Sie haben eine Frau und zwei wohlerzogene Kinder, auf die Sie stolz sein können und die es auf ihren Vater ebenso sind. Völlig unerwartet geht die Firma, für die Sie die letzten 20 Jahre gearbeitet haben pleite. So überraschend, wie dies für Sie kommt, so zuversichtlich sind Sie zunächst, ob Ihrer hohen Qualifikationen und umfangreichen Berufserfahrung, einen neuen Job schnell wieder zu finden. Insofern nutzen Sie auch die Gelegenheit, zunächst einmal den schon lange ersehnten und Ihrer Frau versprochen längeren Urlaub mit ihr zu machen. Mit dem nötigen Abstand und wieder voller Tatendrang widmen Sie sich dann der Stellensuche, schreiben Bewerbungen und führen Einstellungsgespräche. Zunächst machen Sie sich noch nicht viel daraus, dass Sie noch keine konkrete Stellenzusage bekommen. Doch die Zahl der Bewerbungsgespräche steigt, die Monate vergehen und immer noch keine neue Stelle in Sicht. Inzwischen machen Sie auch Abstriche von Ihrem ursprünglichen Anspruch an Ihre neue Tätigkeit, aber trotzdem kein Erfolg. Nun machen Sie sich zunehmend Sorgen und bekommen leichte Zukunftsängste. Das nagt an Ihrem bisher unerschütterlichen Selbstbewusstsein, was Sie in den weiteren Bewerbungsgesprächen auch nicht ganz verbergen können. Man merkt Ihnen an: ich brauche den Job! Das ist wie beim Flirten - je leichter man zu haben ist, desto weniger interessant ist man. Ehe Sie sich versehen, ist ein Jahr vorbei und alles was sie noch bekommen, ist Hartz IV. In den inzwischen auch immer weniger werdenden Bewerbungsgesprächen, die sie überhaupt noch führen können, wird zunehmend hinterfragt, was Sie denn das letzte Jahr gemacht haben. Sie kommen auch hier in Erklärungsnot. Inzwischen leben Sie von Ihren Reserven, die eigentlich mal für die Altersvorsorge gedacht waren. Irgendwann nehmen Sie einen Job an, der überhaupt nicht Ihrer Qualifikation entspricht und auch nur noch einen Bruchteil des Einkommens einbringt, das Sie bisher hatten. Das alles nagt weiter an ihrem Selbstwertgefühl. Die Korrespondenz mit Ihrer Hausbank nimmt inzwischen auch deutlich zu. Man fordert Sie auf, einen überzogenen Dispo auszugleichen und die rückständigen Raten für die Autofinanzierung nachzuzahlen. Doch Sie haben kein Geld mehr. So langsam steigt Verzweiflung in Ihnen auf. Zu allem Übel macht Sie dann auch noch Ihre Frau für die Misere verantwortlich. Sie wären weitestgehend selbst schuld an dem Dilemma, haben als Versorger der Familie versagt. Aus täglicher Wortlosigkeit und immer häufigerer Abwesenheit Ihrer Frau offenbart sie Ihnen schließlich, sich von Ihnen trennen zu wollen bzw. zu müssen, da sie es nicht mehr aushält – sie zieht aus, sie sind alleine in der Wohnung/in dem Haus, die/das Sie finanziell auch nicht mehr halten können. Mit einem inzwischen aufgehäuften Berg an Miet-/Hypothekenschulden ziehen Sie zwangsweise in eine Wohnung, die in dem Viertel Ihrer Stadt liegt, das Sie früher am helllichten Tag und autofahrender Weise schon ungern durchquert haben. Jetzt wohnen Sie auf stark renovierungsbedürftigen schmuddeligen 50 m² und überlegen sich, um nach 22:00 Uhr noch vor die Tür treten zu können, die Anschaffung eines Kampfhunds. Nicht nur Ihre Frau will nichts mehr von Ihnen wissen, auch Ihre Kinder wenden sich von Ihnen ab. Sie sind peinlich geworden. Sie schämen sich für Sie, wollen in Ihrem Freundeskreis nicht, dass man weiß, dass der Vater inzwischen halb asozial ist. Inzwischen hat die Bank auch jemanden geschickt, die Ihr Auto abgeholt hat – zur Verwertung wegen den weiteren rückständigen Raten. Sie sagen sich: "halb so schlimm, Geld zum tanken hatte ich schon lange nicht mehr und die Versicherung drohte ohnehin mit Zwangsstilllegung, da ich auch diese schon lange nicht mehr bezahlen konnte". Sie spüren zunehmend die erleichternde Wirkung, die sich einstellt, wenn Sie in der Kneipe in dem Viertel, das Sie bisher stets gemieden haben, in der aber das Bier so bevorzugt billig ist, ein Glas zu viel nehmen. Je unerträglicher Ihre Lebenssituation für Sie wird, umso mehr steigt Ihr Verlangen nach genau diesem Glas. Sie sind Alkoholiker geworden. Bewerbungsgespräche sind nun ganz passee. Sie schlafen bis mittags und steuern dann schnurstracks Ihre neue Stammkneipe an. Ihre neuen Freunde haben Sie dort kennen gelernt. Sie fühlen sich inzwischen in ihrer Gesellschaft wohl, ist es doch eine Art Schicksalsgemeinschaft, in der man viel Verständnis für Sie hat, deutlich mehr jedenfalls, als von allen anderen in ihrem (früheren) Umfeld – ganz zu schweigen von Ihren Kindern und Ihrer Exfrau, von denen Sie schon seit Monaten nichts mehr gehört haben. Inzwischen gleicht Ihre Wohnung, die Ihnen von Anfang an zu wieder wahr, einer Müllhalde. Es stinkt, wie Sie. Als Sie in ihrer Stammkneipe nicht mehr anschreiben lassen können, gehen Sie nicht mehr hin. Inzwischen sind Sie gänzlich umgestiegen von Bier auf billigste Destillate - der Wirkung wegen. An der Tankstelle oder an der Supermarktkasse bei Bedarf stets zu bekommen. In den wenigen lichten Momenten, in denen Sie sich noch halbwegs realistisch reflektieren können, geht Ihnen auf, dass Sie eigentlich nirgends mehr hingehen können. Schon weil Sie sich dann für sich so sehr schämen, sehen Sie in fast allem keinen Sinn mehr und geben sich auf. Sie versäumen es schließlich, zum Sozialamt zu gehen und zumindest noch die Dinge zu regeln, die notwendig sind, damit die Miete bezahlt wird und Sie Geld für etwas Essen und Alkohol haben. Schließlich werden Sie aus Ihrer zum Müllhalde verkommenen Wohnung geworfen und sitzen auf der Straße. Es ist Ende Dezember, nass und kalt. Sie laufen ziellos durch die Straßen Ihrer Stadt und spüren die verachtungsvollen Blicke Ihrer Mitmenschen wie kleine Pfeile, die auf Sie einprasseln und sich in den letzten Rest ihrer Selbstachtung bohren. Sie kramen in Ihren Taschen nach dem letzten Rest Geld, fliehen in die Wärme eines Supermarkts und kaufen sich den billigsten Fusel, den Sie kriegen können. Die von Ihrer Erscheinung und Ihrem Geruch angewiderte Verkäuferin will das Geld aus Ihrer Hand kaum entgegennehmen, tut es aber – Job ist Job. Sie denken sich, bevor mich die Security-Gorillas an der Eingangstür rauswerfen, gehe ich freiwillig mit meinem Beruhigungselixier wieder auf die Straße. Jetzt wollen Sie nur noch eins: dem Spießrutenlauf der mit Weihnachtseinkäufen beschäftigten Leute, die Sie mit höchstmöglicher Missachtung strafen, entfliehen. Da fällt Ihnen die alte Kirche ein (die Flasche mit dem Fusel ist noch zu), in die Sie mit ihrer Familie jedes Weihnachtsfest zur Christmette gegangen sind. Vielleicht ist sie ja auf und etwas geheizt. Da könnten Sie sich in eine Ecke setzen und sich unbemerkt von anderen Ihrem Berührungselixier widmen. Nach einer Weile dort angekommen finden Sie die Kirche verlassen und schon stark vom Verfall gezeichnet vor. Durch die geborstenen hohen und schlanken gotischen Fenster pfeift ein eisiger Wind. Sie sagen sich nicht ohne Selbstironie, über die Sie sich gleichzeitig wundern: "Gottverlassen wie ich", treten aber trotzdem ein und finden eine windgeschützte Ecke. Sie lassen sich nieder und öffnen in aufsteigendem Suchtdruck Ihr Fläschchen. Nicht lange dauerts, und es ist bis zur Neige geleert. Sie empfinden eine wohlig gelassene Leichtigkeit. Die beißende Kälte scheint wundersam von Ihnen gewichen. Plötzlich müssen Sie an Ihre Jugend, an die Schmetterlinge im Bauch denken, als Sie Ihre Frau kennen gelernt haben, an die unfassbare Freude, als Ihre Kinder geboren wurden und an die unzählig schönen Erlebnisse mit Ihrer Frau und Ihren Kindern. Plötzlich und unvermittelt erstrahlt an der Stelle, an der einst der Altar der Kirche stand, ein weißes Licht, so wie Sie es noch nie zuvor gesehen haben. Es kommt näher, wird heller und erfasst schließlich den ganzen Kirchenraum. Ihr von Krankheit, Alkohol und viel zu viel seelischen Schmerzen ausgezehrter Körper nimmt die Umgebungstemperatur an.

Ihre Frau, ihr neuer Mann und Ihre Kinder waren auch in der Kirche, haben inzwischen die vielen Geschenke ausgepackt, den Gänsebraten verdrückt und sitzen gemütlich zusammen. Dann sagt einer in dieser glückseeligen Runde: „Prost, wie schön doch Weihnachten wieder ist“. Alle stimmen ein, ohne auch nur einen Gedanken an Sie zu verschwenden.

Und wenn Sie jetzt sagen, „das kann mir nicht passieren“, dann mögen und sollen (!) Sie Recht haben. Aber anderen ist es nun mal passiert und sie brauchen Mitgefühl und Hilfe. Glauben Sie mir, Weihnachten fühlt sich erst richtig gut an, wenn Sie im Sinne der Weihnachtsgeschichte selbst etwas getan haben – wie viel und was ist dabei egal. Sie haben Nächstenliebe praktiziert und die ist keine Einbahnstraße, sie kommt zurück, zurück zu Ihnen!

Frohe Weihnachten!

Christian Sünderwald


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