Essays

Sind Verschwörungstheoretiker nur eine Verschwörung? 

Jeder, der sich öffentlich zu kritisch äußert, der sich traut, die von den Massenmedien als Faktum dargestellte Berichterstattung zu hinterfragt, der sich beispielsweise mit "9/11" und seinen Folgen kritisch auseinandersetzt oder der sich mit dem Ursprung des "Islamischen Staats (IS)" beschäftigt, läuft schnell Gefahr, als Verschwörungstheoretiker abgestempelt zu werden. Heftet einem erst mal das Stigma des Verschwörungstheoretikers an, steht man am Pranger der Lächerlichkeit und vor allem der völligen Unglaubwürdigkeit. Man gilt fortan als weltfremder Spinner, dessen Äußerungen bestenfalls noch amüsierenden Unterhaltungswert haben aber mehr nicht.

Es gibt heute kaum ein wirksameres und durchschlagenderes Mittel, jemanden öffentlich völlig zu diskreditieren und in seiner Reputation nachhaltig zu schädigen, als ihn in der öffentlichen Wahrnehmung zum Verschwörungstheoretiker zu machen. Diejenigen, die dieses scharfe Schwert in Händen halten, haben Zweifels ohne viel Macht. Sie können "störende" Fragen getrost unbeantwortet lassen, weil sie einfach das Stellen dieser Fragen der Lächerlichkeit preisgeben und sie damit jeder Bedeutung und Relevanz berauben. Alle, die sich zunächst für die aufgeworfene Frage interessierten - "...oh, interessant, könnte was dran sein, …" - wenden sich verschämt ab, wollen sie sich selbst doch nicht blamieren und zugeben müssen, dass sie einer Verschwörungstheorie aufgesessen sind.

Wer nun diejenigen sind, die mit dieser scharfen Klinge darüber richten, was kritisch hinterfragt werden darf und was schlicht lächerlicher Blödsinn von irrwandelnden kranken Geistern ist? Die Medien! Ihnen kommt damit eine hohe Verantwortung zu und es muss erlaubt sein, kritisch zu hinterfragen, ob sie dieser immer in dem ihnen zu Gebote stehenden Maße gerecht werden, oder ob sie sich nicht für andere Interessen instrumentalisieren lassen.

Eine der Grundvoraussetzungen für objektive und unvoreingenommene Berichterstattung ist die Unabhängigkeit der Medien. Es stellt sich also die Frage, wem gehören die Medien eigentlich? Ohne dass man nach der Antwort tief schürfen muss, stellt man schnell fest: Mehr oder weniger einer Hand voll reicher Familien in Deutschland. Nehmen wir nur den größten und mächtigsten Zeitungsverlag in unserem Land, den Axel-Springer-Verlag. Zu ihm gehört die Bild-Zeitung mit allen Ablegern, wie Bild am Sonntag, Bild der Frau, Auto Bild, Sport Bild, Computer Bild, die Welt mit der Welt am Sonntag und auch einige Fernsehsender, wie z. B. N24. Der Verlag gehört der Familie Springer mit Friede Springer an der Spitze. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Funke Mediengruppe der Familie Funke, zu der eine Vielzahl bekannter Tageszeitungen und Magazine gehören, wie z. B. das Hamburger Abendblatt, die Braunschweiger Zeitung, WAZ, Neue Ruhr-Zeitung, Thüringer Zeitung und viele mehr. 

Eine der anschaulichsten Machtdemonstrationen der jüngeren Vergangenheit war der Sturz des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff. Als er behauptete, der Islam gehört zu Deutschland, geriet er zeitlich kurz darauf auf die mediale Abschussliste wegen angeblicher Bestechlichkeit. Als wenn man einen Bundespräsidenten mit ein paar Hotelübernachtungen dazu bringen könnte, wider seines Amtseides einem einen Gefallen zu tun. Wie inzwischen längst endinstanzlich von den Gerichten festgestellt, hat er sich tatsächlich überhaupt nichts zu Schulden kommen lassen. Er hat sich bestenfalls kommunikativ etwas blöd angestellt, was allerdings für einen Politiker noch nie ein Grund war, zurückzutreten.

Jeder, der im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, tut allerdings gut daran, die Sache genau so, wie sie die Bild-Zeitung zuletzt dargestellt hat, auf sich beruhen zu lassen. Schnell könnte man ansonsten daraus eine Verschwörungstheorie erkennen und was dem betreffenden Theoretiker dann passiert, haben wir oben bereits festgestellt.

Inwieweit der Umstand, dass die meisten Verlage in Deutschland sich in den Händen weniger reicher Eigner-Familien befinden, tatsächlich zu kritisieren ist, kann und will ich daher nicht einschätzen. Fest stehen sollte aber, dass es einer unabhängigen und objektiven Berichterstattung zumindest nicht unbedingt zuträglich sein kann. Eine inzwischen eindeutig bewiesene Mauschelei zwischen Politik und Medien ist zum Beispiel der Verlag in meiner Heimatstadt Chemnitz. Die "Freie Presse" wurde von unserem damaligen Bundeskanzler, Helmut Kohl, an der Treuhand vorbei der Verlags-Familie Schaub aus Ludwigshafen zugeschanzt. Dass Ludwigshafen nahe Oggersheim liegt, wo Kohl zeitlebens wohnte, ist sicher nur ein Zufall – Vorsicht: Verschwörungstheorie!

Brot und Spiele - ein seit den alten Römern probates Mittel, sich die Massen unkritisch gewogen zu halten und je trockener das Brot wird desto lustiger müssen eben die Spiele werden, mag sich da mancher Protagonist in unserem politischen Medien-Zirkus denken.

Ein Grundpfeiler unserer freiheitlichen demokratischen Gesellschaftsordnung ist die Pressefreiheit. Ein unveräußerliches hohes Gut. Diese Freiheit und die ihr innewohnende Macht ist allerdings auch allzu verführerisch, sie zu missbrauchen und das vor allem dann, wenn durch nichts und niemand die Machthaber kontrolliert werden; ihnen niemand auf die Finger schaut - schauen darf. Braucht es insofern nicht gerade auch Menschen, die sich kritisch zu Wort melden, die gegen den Mainstream schwimmen, die Fragen stellen, denen sich die Medien inhaltlich ebenso stellen müssen?

Jedenfalls sind mir im Zweifel Verschwörungstheoretiker lieber, als dass aus theoretischen Verschwörungen tatsächliche werden, die wir erst an ihren Folgen und so viel zu spät erkennen.

(c) Christian Sünderwald

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